Wohnriester: Bausparvertrag neu erfunden?

Niedrige Zinsen, gute Zeiten für einen Eigenheimkauf. Doch sind Bausparverträge noch zeitgemäß? Wohnriester kann angesichts niedriger Kapitalmarktzinsen eine Alternative sein. Zusätzlich beschneiden sich Bausparer in den Ansparjahren mit niedrigen Guthabenzinsen und satten Abschlussgebühren.

 

Die gute Nachricht: Wie bisher greift der Staat Häuslebauern und Eigenheimkäufern helfend unter die Arme und wird Wohnriester noch dieses Jahr weiter optimieren.

 

Was bringt Wohnriester?

Wohnriester, 2008 eingeführt und wie andere Riesterverträge im Rahmen von Zulagen zur Altersvorsorge gefördert, liegt weiter im Trend. Lag der Wohnriester Marktanteil 2012 bei gut 66 Prozent der Neuabschlüsse, wohnriestern laut LBS Bayern aktuell über eine Million Sparer, die sich über einige zehntausend Fördereuros und jährliche 154 Euro Grundzulage sowie 185 bzw. 300 Euro (ab 2008 geboren) für jedes Kind freuen. Sie sind unter 25? Dann legt der Staat einmalig 200 Euro oben drauf. Je nach individueller Förderquote beschleunigt Wohnriester nicht nur die Darlehenstilgungen und bringt einige tausend Euro Zinsersparnis. Wer wohnriestert, kann außerdem Finanzierungsraten und Wohnriestermittel steuerlich als Sonderausgaben geltend machen. Dadurch wird die Baufinanzierung insgesamt attraktiver.

Dass Zulagen und Steuervorteile bei Renteneintritt zu versteuern sind, ist angesichts der dann vergleichsweise niedrigen Steuern zu verschmerzen. Geplant, aber inzwischen vom Tisch: Die Halbierung der Verzinsung von Tilgungsbeiträgen auf Wohnförderkonten von zwei auf ein Prozent. Ein Beispiel, durchgerechnet durch die Stiftung Warentest: Eheleute (beide 35 Jahre, ein Kind, 2008 geboren) erzielen ein Bruttoeinkommen von 70.000 Euro, bei einem Darlehen von 200.000 Euro zu 4 Prozent Zinsen (Anfangstilgung 1,73 Prozent). Mit 65 in Rente, beträgt ihre Wohnriester Summe 62.300 Euro bzw. 39.000 Euro nach Steuerabzug bei Renteneintritt. Für Geringverdiener mit Kindern liegt Wohnriester bereits bei einem Jahreseinkommen von 30.000 Euro – gutes Verhältnis von Bausparsumme und Kapitaleinsatz vorausgesetzt – gegenüber Bankdarlehen vorn, auch wo monatlich nur 75 Euro spart werden.

 

Mehr Flexibilität: Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz

Die Finanzierung eines Immobilienkaufs über Hypothekendarlehen mit Hilfe von Wohnriester unterscheidet sich nur durch die staatliche Förderung von klassischen Tilgungsdarlehen – für Banken ein erhöhter Aufwand, den diese durch erhöhte Zinssätze zu kompensieren suchen. Während Riester-Darlehen eher schwächeln, sind Wohnriester Bausparverträge mehr als eine Überlegung wert. Dank Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz (AltvVerbG) ist es künftig möglich, unter jederzeitigem Zugriff auf sein Kapital den barrierefreien Umbau des Eigenheims zu finanzieren oder damit ein Objekt zu entschulden. Bislang mussten diese so genannten förderunschädlichen Entnahmen zum Beispiel zeitlich mit dem Bau eines Hauses verknüpft sein.

Die künftigen Bedingungen: Einen Mindestbetrag entnehmen sowie einen Sachverständigen mit der Prüfung der Maßnahmen zu beauftragen. Zusätzlich werden die Abschlusskosten bei Vertragswechsel gedeckelt und wer vermietet, hat fünf Jahre Zeit, eine neue Immobilie zu erwerben ohne die Förderung zurückzahlen zu müssen. Gleich zu Beginn der Auszahlungsphase entscheiden, ob Sie Ihre Steuerschuld auf einmal tilgen oder sie bis zum 85. Lebensjahr in Raten abzahlen? Jetzt nicht mehr.

 

Welcher Bausparvertrag taugt etwas?

Gar nicht so leicht, den besten Wohnriester Bausparvertrag für sich zu ermitteln: Der für das Handelsblatt durchgeführte Wohnriester Test 2013 weist aktuell die BHW als Sieger sowie die Alte Leipziger und Deutsche Bank als Zweit- und Drittplatzierte aus. Gut, Tarif-Tests mögen eine erste Orientierung bieten, aber ein Vergleich ist sehr komplex. Als Richtschnur dürfen eine hohe Bausparsumme bei geringem eigenen Kapitaleinsatz im Bereich Ansparung, Kreditzinsen und Steuer gelten. Doch je nach Tarifqualität und Situation rentieren sich klassische Baufinanzierungen manchmal sogar mehr.

Sie möchten bauen oder kaufen? Ist der Preis angemessen? Nur ein individueller Vergleich und ausführliche Beratung durch einen fachkompetenten Wohnriester Berater, möglichst auf Honorarbasis, machen angesichts der Komplexität von Bausparkonzepten Sinn. Im Rahmen einer privaten Immobilien-Finanzplanung wird Ihr Honorarberater die für Sie geeignete Finanzierungsstruktur mit Ihnen intensiv besprechen.

André Jonas

Ihr Finanzberater für eine 100 % unabhängige und neutrale Finanzberatung gegen Honorar und frei von Provisionen oder sonstigen Zuwendungen Dritter. Mit meinen zwei Standorten Köln und Leipzig betreue ich kleine und große Mandate von Ärzten, Freiberuflern, Selbständigen und führenden Angestellten. Dabei habe ich mich Spezialisiert auf die vier Bereiche: Vertragsprüfung, Geldanlage, Altersvorsorge und Risikovorsorge. In der Vertragsprüfung geht es in erster Linie darum bestehende Verträge auf Wirtschaftlichkeit zu überprüfen und zu durchleuchten. Für den Bereich der Geldanlage und Altersvorsorge nutze ich vor allem Depotlösungen mit Hilfe von ETF ́s und Anlageklassenfonds , Kapitalanlageimmobilien (Denkmalimmobilien, Bestandsimmobilien, Neubau) und steueroptimierte Fondspolicen (Nettopolicen). In der Risikovorsorge berate ich zu Berufsunfähigkeitsabsicherung, Risikolebensabsicherung und Pflegeabsicherung. Ich stehe für eine dauerhafte Betreuung, nachhaltigen und soliden Vermögensaufbau und eine faire Beratung. Seit mehr als 12 Jahren arbeite ich in der Finanzberatung in einem Netzwerk von Honorarberatern, Anlageberatern, Steuerberatern und Rechtsanwälten.
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