Altverträge mit hohen Zinsen – Banken und Versicherungen üben Druck auf ihre Kunden aus

Angesichts des niedrigen Zinsniveaus leiden Banken und Sparkassen unter Altverträgen mit hohen Zinsen und üben Druck auf ihre Kunden aus, diese aufzulösen. Verbraucherschützer raten jedoch dazu, die Verträge unbedingt zu halten. Das ARD-Wirtschaftsmagazin „Plusminus“ befasste sich kürzlich mit einem sensiblen Thema.

 

Banken, Bausparkassen und Lebensversicherungen versuchen, bestehende Altverträge ihrer Kunden zu kündigen und diese zum Teil in deutlich niedriger verzinste Finanzprodukte zu drängen. Speziell das Thema Bausparvertrag kündigen häuft sich. Der Grund dafür liegt in den hohen Zinsen, die für solche Verträge fällig werden und für die Institute in der aktuellen Niedrigzinsphase ein Verlustgeschäft bedeuten. Aus Sicht der Stiftung Finanztest handelt es sich dabei um einen klaren Vertragsbruch. Für einige Szenarien empfehlen die Verbraucherschützer den Klageweg.

 

Kündigung  alte Sparverträge wegen „zu hoher“ Zinsen

Die Sparkasse Ulm hat aktuell an rund 20.000 Kunden einen Brief verschickt, in dem es um die hohen Zinsen für alte Sparverträge geht. Für die Sparkasse waren diese durch ihre magere Verzinsung in den Anfangsjahren ursprünglich ein lukratives Geschäft. Heute liegen ihre Zinsen bei 18-jähriger Laufzeit bei rund 3,3 Prozent und damit deutlich über dem marktüblichen Zinssatz. Die Sparkasse sieht sich daher nicht mehr in der Lage, die Verträge fortzuführen. Die betroffenen Sparer sollen ein niedriger verzinstes „Treueangebot“ erhalten. Die Stiftung Finanztest sieht in dieser Praxis allerdings einen Rechtsverstoß. Verträge sind grundsätzlich einzuhalten – die Sparkasse ist mit ihrer Praxis eindeutig nicht im Recht. Wenn ein Sparvertrag sich als ungünstig für den Kunden herausstellt, gilt dafür schließlich auch kein Sonderkündigungsrecht. Ausnahmen ergeben sich nach dem bundesdeutschen Privaten und Öffentlichen Vertragsrecht ausschließlich durch den sogenannten „Wegfall der Geschäftsgrundlage“.

Im Klartext: Gerichte werden in solchen Fällen die Position der Sparer unterstützen. Die Verbraucherschützer gehen davon aus, dass das Ulmer Beispiel erst der Anfang ist und dass diesem in Zeiten niedriger Zinsen viele andere Banken folgen werden. Auch Sparkassen und Volksbanken erweisen sich hier bereits jetzt als wenig kundenfreundlich.

 

Rechtliche Grauzone für neue Bausparkassen-Strategie

Die Bundesbürger haben insgesamt rund 20 Millionen Bausparverträge abgeschlossen. Mehr oder weniger alle Bausparkassen versuchen derzeit, Altverträge mit hohen Zinsen abzustoßen.

Ein Fallbeispiel der LBS aus Mannheim: Eine Kundin wollte ihren mit 2,5 Prozent verzinsten und bereits zuteilungsfähigen Bausparvertrag zunächst wegen der guten Zinsen weiter als Spargrundlage nutzen, erhielt jedoch die Kündigung. In der Stellungnahme der Bausparkasse hieß es, dass die Sparerin aufgrund ihrer mindestens zehnjährigen Ansparphase den „schützenswerten Vertragszweck“ des Bausparens nicht mehr erfülle. Die Stiftung Finanztest sieht hier eine rechtliche Grauzone als gegeben. Die Bank beruft sich hier auf ein Sonderkündigungsrecht, dass sie nach zehn Jahren auch einem Kreditnehmer zugesteht. Grundsatzurteile hierzu existieren bisher nicht. Bei der betroffenen Kundin würden sich die Zinsverluste durch die Kündigung auf rund 5.000 Euro aufaddieren. Falls sie klagen will, brauche sie jedoch Mut und vor allem eine Rechtsschutzversicherung im Hintergrund.

 

Britische Lebensversicherung gibt Verluste an ihre Kunden weiter

Die vertraglich vereinbarten Zinsen für deutsche Lebensversicherungen sind zumindest bisher garantiert. Im Ausland kann dies anders sein. Mit der englischen Assekuranz „Clerical Med“ erlebte ein Heidelberger Kunde jetzt eine böse Überraschung. Für seine insgesamt eingezahlten 200.000 Euro erwartete dieser entsprechend dem Vertrag eine monatliche Rente von rund 2.000 Euro über 17 Jahre.

Im vergangenen Jahr hat die Versicherung, die in Deutschland etwa 30.0000 solcher Verträge verkaufte, ihm jedoch mitgeteilt, dass von seinem Vorsorgevermögen nur noch 33.000 Euro übrig seien – mit den entsprechenden Konsequenzen für die Rentenzahlung. Als Grund dafür gab sie die Turbulenzen auf dem Finanzmarkt sowie niedrige Zinsen an. Fünf der Geprellten haben ein entsprechendes Verfahren vor dem Bundesgerichtshof bereits gewonnen – die Versicherung muss zahlen. Aus Sicht ihres Anwalts und der Verbraucherschützer ist die Rechtslage in Deutschland eindeutig definiert: Die Zinsen einer Lebensversicherung sind in Deutschland ein verbindlicher Vertragsbestandteil und eine Klage daher voraussichtlich erfolgreich.

Unser Fazit: Auch angesichts niedriger Zinsen haben Verbraucher Rechte, auf die sie nicht verzichten sollen. Falls Bank oder Versicherung ein heute lukrativer Altvertrag ein Dorn im Auge ist, sollten sie die Kündigung nicht akzeptieren, sondern sich zunächst von einem Experten für Finanzrecht ausführlich beraten lassen.

André Jonas

Ihr Finanzberater für eine 100 % unabhängige und neutrale Finanzberatung gegen Honorar und frei von Provisionen oder sonstigen Zuwendungen Dritter. Mit meinen zwei Standorten Köln und Leipzig betreue ich kleine und große Mandate von Ärzten, Freiberuflern, Selbständigen und führenden Angestellten. Dabei habe ich mich Spezialisiert auf die vier Bereiche: Vertragsprüfung, Geldanlage, Altersvorsorge und Risikovorsorge. In der Vertragsprüfung geht es in erster Linie darum bestehende Verträge auf Wirtschaftlichkeit zu überprüfen und zu durchleuchten. Für den Bereich der Geldanlage und Altersvorsorge nutze ich vor allem Depotlösungen mit Hilfe von ETF ́s und Anlageklassenfonds , Kapitalanlageimmobilien (Denkmalimmobilien, Bestandsimmobilien, Neubau) und steueroptimierte Fondspolicen (Nettopolicen). In der Risikovorsorge berate ich zu Berufsunfähigkeitsabsicherung, Risikolebensabsicherung und Pflegeabsicherung. Ich stehe für eine dauerhafte Betreuung, nachhaltigen und soliden Vermögensaufbau und eine faire Beratung. Seit mehr als 12 Jahren arbeite ich in der Finanzberatung in einem Netzwerk von Honorarberatern, Anlageberatern, Steuerberatern und Rechtsanwälten.
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